B 9151 "Merkur"

Die B 9151 "Merkur" ist die erste Box einer neuen Lautsprecherboxenfamilie aus dem VEB "Albert Norden" in Leipzig. Mit ihr wird eine neue, optisch moderner gestaltete Generation von Lautsprecherboxen eingeleitet. Es handelt sich bei der "Merkur" um eine 2-Wege Kompakt-Box mit einem Volumen von 7 Litern. Sie ist damit die kleinste Lautsprecherbox im RFT-Sortiment, die mit einem geschossenen Gehäuse die HiFi-Parameter erfüllt.

Die mechanische Konstruktion des Gehäuses der "Merkur" weist keine Besonderheiten auf. Es ist aus 15 mm starker Faserplatte gefertigt, der Tieftonlautsprecher ist in einer gefrästen Sicke auf einer Gummiunterlage an der Front montiert, der Hochtöner auf einen Filzring direkt auf die Front geschraubt. Der Tieftöner ist mit M4-Kreuzschlitzschrauben, die in Dübel eingeschraubt sind, befestigt. Beide Lautsprecher sind senkrecht übereinander angeordnet.
Neuartig ist die Gestaltung der abnehmbaren, vollflächigen Frontblende, die die beiden Lautsprecher mit eckigem Drahtgewebe abdecken. Da die Blende mit einem Hornansatz vor dem Kalottenhochtöner funktionsbestimmend wirksam ist, ist ein Betrieb der Box ohne Blende nicht vorgesehen.

Als Tieftonlautsprecher kommt der aus der "Corona" bekannte L 2621 mit einer Belastbarkeit von 40 VA und einem Korbdurchmesser von 16 cm vom VEB Elektroakustik Leipzig zum Einsatz. Durch den Einsatz dieses Lautsprechers wird auch in dem sehr kleinen Boxenvolumen der "Merkur" eine untere Grenzfrequenz erreicht, die zur Einhaltung der HiFi-Norm ausreicht. Die Schalldrucküberhöhung bei ungefähr 125 Hz ist beabsichtigt, um beim Hörer einen voluminösen Klangeindruck hervorzurufen. Nachteilig ist jedoch die geringere Kennempfindlichkeit des Lautsprechers, weshalb man für den Betrieb einen leistungsfähigen Verstärker benötigt.

Für die Wiedergabe der hohen Frequenzen findet in der "Merkur" der neue Kalottenhochtonlautsprecher L 9806 vom VEB Elektroakustik Leipzig Verwendung. Bei ihm handelt es sich um eine Weiterentwicklung des bekannten L 9801, jedoch mit einer erhöhten Belastbarkeit von nun 25 VA. Alle anderen akustischen Eigenschaften blieben nahezu unverändert. Diese Hochtonkalotte mit Polycarbonat-Membran zeichnet durch einen gleichmäßigen und weitreichenden Frequenzgang, sowie eine hohe Kennempfindlichkeit aus.
Die Vorteile einer Hochtonkalotte sind,

daß aufgrund der gegenüber Konushochtönern kleineren und somit leichteren Membran die hohen Frequenzen besser und detailgetreuer wiedergeben. Außerdem wird durch die kuppelförmige Membran eine bessere räumliche Schallverteilung und eine verringerte Bündelung der hohen Frequenzen erreicht.

Beide Lautsprecher sind über eine elektrische Frequenzweiche mit einer Flankensteilheit von 12 dB / Oktave zusammengeschaltet, die Trennfrequenz liegt bei 3,8 kHz. Sämtliche Bauteile der Weiche sind auf einer Platine untergebracht, schaltungstechnische Besonderheiten gibt es keine. Die Spule für den Tieftonzweig ist auf einen Ferritkern gewickelt, was Platz und Kupfer spart.

Die optische Gestaltung der "Merkur" ist technisch gehalten und betont den funktionellen Charakter der Box. Es gibt mehrere, optisch verschiedene Varianten der Box.
Das Gehäuse der "Merkur" ist eckig und dunkelbraun lackiert. Die Frontblende, die an der Oberkante leicht angeschrägt ist, ist entweder auch dunkelbraun oder silber lackiert angeboten worden. Das Drahtgewebe an der Front ist bei der braunen Variante ebenfalls braun lackiert, bei der silbernen Frontblende schwarz. Die Beschriftung der Box erfolgte mit weißem, bzw. schwarzem Siebdruck.

Mit dem Erscheinen des Gerätesystems S 3930 wurde das Design der Box verändert. Das Gehäuse war nun in etwas hellerem braun oder einem gelblichen Farbton namens "Papyrus" lackiert. Die Blende war dann braun oder silber und die Beschriftung der Schrift der S 3930 anpaßt. Außerdem wurde die Gitterabdeckung durch eine braune, bzw. graue Stoffabdeckung ersetzt.

Nach der Wende wurde die NewLine 100 als Nachfolger der "Merkur" weiter produziert. Sie blieb technisch bis auf eine erhöhte Belastbarkeit (die eher auf "westliche" Übertreibung als auf Weiterentwicklung zurückzuführen ist) weitgehend unverändert. Optisch wurde die Box jedoch völlig überarbeitet. Sie hatte nun ein mit schwarzer Holzdekor-Folie beklebtes Gehäuse und eine vollflächige, abnehmbare Stoffblende an deren oberen Ende der Name der Box auf einer Verkleidung aus Plastik mit goldener Schrift aufgedruckt war.

Die B 9151 "Merkur" wurde auf der Leipziger Frühjahrsmesse 1985 das erste mal der Öffentlichkeit vorgestellt.


Technische Daten:

Nennbelastbarkeit:

35 W

Höchstbelastbarkeit:

75 W

Nennscheinwiderstand:

4 Ohm

Übertragungsbereich:

50 - 20000 Hz

Trennfrequenz:

3,8 kHz

Kennempfindlichkeit:

83 dB

Betriebsleistung:

18 W

Länge der Anschlußleitung:

3 m

Nettovolumen:

7 l

Abmessungen (B x H x T):

210 x 310 x 195 mm

Masse:

6,0 kg

Preis pro Box:

295,- M


Stromlaufplan

Übertragungskurve


Klang der Box

Der Klang der "Merkur" ist im Vergleich zu anderen hochwertigen DDR-HiFi-Lautsprecherboxen wie z.B. der BR 25 eher leise und zurückhaltend. Sie klingt nicht unbedingt unausgewogen, jedoch fehlt es ihr über den gesamten Frequenzbereich etwas an Brillianz und Durchsichtigkeit.

Schon der Tieftonbereich wird aufgrund ihres mit 7 Litern sehr kleinen, geschlossenen Gehäuses nicht optimal wiedergegeben. Die vom Hersteller "gewollte Überhöhung bei 125 Hz" macht sich bei schlechter Aufstellung der Boxen als unangenehmes Dröhnen bemerkbar. Sind die Boxen jedoch geschickt plaziert, ist das nicht weiter schlimm.

Die Wiedergabe der mittleren Frequenzen

ist gar nichtmal so schlecht, wenngleich auch nicht die Auflösung und Transparenz einer BR 25 o.ä. erreicht wird.
Die Hochtonwiedergabe ist klanglich nicht verkehrt, insgesamt jedoch etwas zu leise, was der Box einen leicht dumpfen Charakter verleiht. Aber es gibt ja schließlich (an DDR-Verstärkern sehr wirkungsvolle) Klangregler mit denen sich das korrigieren läßt, denn linear klingt die "Merkur" nicht wirklich gut.

Insgesamt klingt die Box ganz passabel und auch nicht so schief, wie ihr doch recht schlechter Ruf vermuten läßt. Man braucht jedoch einen kräftigen Verstärker um den geringen Wirkungsgrad ausgleichen zu können. Von Vorteil ist dann allerdings aber, daß sie für ihre Größe extrem hoch belastbar und pegelfest ist.


Die Eindrücke über das Klangbild der Box sind natürlich subjektiv und somit Geschmacksache.


Klangtuning

Man kann mit Umbauten auf der Frequenzweiche bei der "Merkur" leider nicht viel verbessern. Die schlechte Tieftonwiedergabe liegt am zu kleinen Gehäuse, an dem man auch mit einem Baßreflex-System nicht wirklich etwas machen kann. Der geringe Wirkungsgrad wird von der leisen Baßwiedergabe bestimmt und kann deshalb auch nicht erhöht werden, ohne die Box völlig unausgewogen klingen zu lassen. Die Mitten klingen meiner Meinung nach nicht so schlecht und mit den beiden verwendeten Lautsprechern, von denen keiner so recht als Mitteltöner taugt, läßt sich da auch nicht viel dran ändern. Lediglich der Hochtonbereich läßt sich etwas verbessern, falls die Box in der Aufstellung etwas dumpf klingen sollte. Dazu muß man den seriellen Widerstand etwas verkleinern und gegen einen mit z.B. 3,3 Ohm tauschen, bzw. einen mit 10 Ohm parallel drüber löten, was den gleichen Effekt hat. Dadurch klingt die Box danach etwas spritziger und frischer.